Weniger kann manchmal mehr sein…

Mittwoch, 14. Mai 2008 9:16

In dem Beiträge “Verbrennt mich” von Michael Zerr wird ein Denkmal am Berliner Bebelplatz vorgestellt, das unter anderem durch leere Regale symbolisiert, was damals, Anfang der 30er Jahre, durch die “Deutsche Studentenschaft” inszeniert worden war.

Für mich ein äußerst gelungenes Beispiel dafür, wie man durch bewusstes Weglassen dramaturgisch Emotionen “implantiert” - eine Präsentation all der damals verbrannten Bücher würde weit weniger an Gefühl, Betroffenheit und initialem Auseinandersetzen mit dem Thema verursachen.

Mit einigen Studenten des Studiengangs “Messe-, Kongress- und Eventmanagement” waren Louise Bielzer und  ich vergangene Woche in Frankfurt, wir besuchten die Messe “MarketingServices”. Überquellende Stände, eine unterschöpfliche Vielfalt an Exponaten, marktschreierisch präsentiert. Was uns besonders auffiel waren aber die Aussteller, deren Stände durch eine elegante Form der Schlichtheit einluden. Der pinkfarbene Teppichboden als Blickfang oder die als Solitär aufgestellte Designer-Espressomaschine (www.messe-frankfurt.de bzw. www.marketing-services.de).

Und das bringt uns immer wieder an die Stelle, wo wir im Wettbewerb um den Veranstaltungserfolg kritisch fragen müssen, ob die oberflächliche Präsenz das richtige Konzept ist. Oder das “Weniger”, das uns anzieht und für eine nachhaltige Wirkung sorgt.

Schließlich, auch das ist eine Erkenntnis aus dem Veranstaltungsgeschäft, dienen “Brilliant-Feuerwerk” und “Flying Buffet” auch manchmal dazu, von dem Mangel an wahren Werten abzulenken. Schwieriger ist es allemal, mit weniger mehr zu schaffen.

Thema: FHBlog | Autor: Stefan Luppold | Kommentare (0)

Blick über den Tellerrand - oder “Kultur macht Spaß!”

Dienstag, 13. Mai 2008 11:49

“Wozu in die Ferne schweifen, sieh das Gute liegt so nah…” Karlsruhe bietet eine Vielzahl interessanter kultureller und wissenschaftlicher Veranstaltungen in unserem unmittelbaren Umfeld und doch bekommen viele davon nichts mit. Warum? Warum ist das Interesse an den von unseren Studenten organisierten Events wie, Noche Flamenca und  Cotton Club bei den Studierenden der FH Merkur so gering? Warum sind die Vorträge externer Referenten so schlecht besucht? Es stimmt mich bedenklich, wenn ich von Studenten höre: “Mit Kultur hab ich nichts am Hut!”.  Kunst und Kultur bereichern nicht nur und erhöhen die Wahrnehmungsfähigkeit, sie machen auch Spaß! Die Studenten des Studienganges Kulturmanagement konnten sich kürzlich bei einem Besuch im Kulturamt der Stadt darüber informieren, wie in Karlsruhe die Kultur- und Kunstszene unterstützt und gefördert wird und welche tollen Projekte es dazu gibt. In der Diskussion mit den Vertretern des Kulturamtes und der Technologie Region Karlsruhe entstand die Idee einer open space Veranstaltung zum Thema: “Zukunft der Kultur - Kultur der Zukunft.” Für alle, die Interesse haben, diese open space Veranstaltung mitzuentwickeln, bitte meldet Euch. Ich bin sicher, der Blick über den Tellerrand lohnt sich!   und hier noch ein aktueller Veranstaltungstipp: HfG SYMPOSIUM : DER STARKE KONSUMENT, Die Konsumgesellschaft fordert starke Konsumenten – doch wodurch zeichnen sie sich aus? Termin: Samstag – Sonntag 31.05. – 01.06.2008, Sa 11 – 14 Uhr, So 10 – 16 UhrOrt: ZKM | Medientheater, Lorenzstraße 19, 76135 Karlsruhe, AUSSTELLUNG: 01.06. – 22.06.2008, ZKM Weitere Informationen Internet: http://on1.zkm.de/zkm/stories/storyReader$6097#senge_symposium 

Thema: FHBlog | Autor: Ricarda Merkwitz | Kommentare (0)

Kreativität und Chaos

Dienstag, 13. Mai 2008 10:31

Die Chaostheorie ist eine mathematische Theorie, die Ordnungsstrukturen beschreibt. Der amerikanische Meteorologe Edward Lorenz entdeckte das Wirkungsprinzip von Chaos quasi “nebenbei”. Sicher kennt ihr das Beispiel des Schmetterlings, dessen Flügelschlag in Sanghai zu einem Wirbelsturm in New York führen kann. Ordnung und Unordnung bedingen einander, aus dem Chaos erwächst die Kreativität. Ordnung ist trügerisch, weil starre Ordnungssysteme plötzlichen zusammenbrechen können und alles wieder im Chaos versinkt. Das heisst, dass Ereignisse nicht langfristig vorhersehbar sind und nicht bis ins Detail vorausgesagt werden können. Sie zeigt uns aber auch, dass Schöpfung aus dem Chaos hervorgehen kann. Unternehmen in der Wirtschaft (und natürlich auch Hochschulen!) tun gut daran, ein gewisses Chaos, also eine Atmosphäre des Freidenkens, zuzulassen, damit kreative Ideen entstehen können. Zum Beginn des Sommersemesters hatten wir an der FH im Hinblick auf die Bekanntgabe der Klausurnoten auch eine chaotische Situation. Bedingt durch Krankheit und die hohe Arbeitsbelastung durch das Akkreditierungsverfahren hatten viele Professoren die Klausuren noch nicht korrigiert, bzw. die Noten noch nicht bekannt gegeben. Das führte natürlich zum Unmut der Studenten - aber auch zu einer kreativen Idee:4 Studenten des Studienganges MKE 4a produzierten eine Video mit dem Titel “Wo sind die Noten?”, in dem sie in witziger und kreativer Weise zum einen durchaus berechtigt Kritik üben, zum anderen aber auch zeigen, dass der humorvolle und entspannte Umgang mit Problemen zu neuen Sichtweisen und Lösungen führt. Für mich ein sehr schönes Beispiel dafür, wie aus Chaos Kreativität entsteht und wie wichtig es für uns alle ist, dass unsere Beziehungen an der FH Merkur durch Humor, Achtung und gegenseitiges Verständnis geprägt sind. In diesem Sinne: Danke an die “3 dreisten 4″ oder um es mit Friedrich Nitzsche zu sagen: “Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.” 

Thema: FHBlog | Autor: Ricarda Merkwitz | Kommentare (0)

Fundraisingkongress II: Event

Sonntag, 11. Mai 2008 12:34

Im Rahmen des Fundraisingkongresses hatte ich auch ein Projekt vorgestellt, das wir gemeinsam mit der Stand Up Initiative durchgeführt haben. Darüber wurde hier und hier bereits berichtet.

Die Stand Up Initiative hat das Ziel, allen Querschnittgelähmten neue Hoffnung zu geben. Die Hoffnung auf mehr Freiheit, Selbständigkeit und Lebensqualität. Sie unterstützt Querschnittgelähmte auszubrechen aus der Gefangenschaft des Rollstuhls und nicht nur Gedanken in Bewegung zu setzen, sondern auch wieder Arme und Beine.

Initiator und “Macher” und Geschäftsführer der Initiative ist Hamoun Kamai, ein lebenslustiger junger Mann, der seit einem unverschuldeten Autounfall im Jahr 2004 Tetraplegiker ist, also vom Hals an abwärts gelähmt. Aus meiner Zusammenarbeit mit ihm weiß ich: Hamoun ist weniger behindert, als viele von uns Gehenden.

Wie er es geschafft hat, mit Hilfe seines Video-Blogs national bekannt zu werden, eine gemeinnützige Organisation aufzubauen, prominente Unterstützer, wie Xavier Naidoo und Hape Kerkeling und Sponsoren, wie das Schmuckunternehmen TeNo im In- und Ausland zu finden ist nicht nur beeindruckend, sondern auch Gegenstand meiner Vorlesung im e-Marketing für die Studis der Merkur FH im Bachelorstudium Internationales Marketing.

Am 19. Juli veranstaltet Hamoun nun ein großes Event in der Pforzheimer Innenstadt mit Stand Up - Street-Soccer-Cup und Open-Air-Konzert. Mal sehen ob unsere Studis im Studiengang Eventmanagement ihn dabei unterstützen können. Näheres demnächst auf seiner Website.

 

Thema: FHBlog | Autor: Michael Zerr | Kommentare (1)

“Verbrennt mich”

Samstag, 10. Mai 2008 16:03

rief der Schriftsteller Oskar Maria Graf den nationalsozialistischen Studenten am 10. Mai 1933, also heute vor 75 Jahren zu. Anders als bei den Werken von Heinrich Heine, Bertolt Brecht, Franz Kafka, Karl Marx, Heinrich Mann, Alfred Döblin, Kurt Tucholsky, Sigmund Freud, Carl von Ossietzky und vielen, vielen Anderen hatten die Initiatoren auf dem Berliner Opernplatz und vielen anderen Plätzen in ganz Deutschland zunächst vergessen, seine Bücher ebenfalls ins Feuer zu werfen. “Diese Unehre“, so Graf, “habe ich nicht verdient“.

Die Bücherverbrennung, die von der “Deutschen Studentenschaft” inszeniert und von zahlreichen Professoren, Bibliothekaren und Intellektuellen unterstützt wurde - sie war ein Auftakt für Unrecht, Folter, Krieg und Völkermord.

Ganz wie es Heinrich Heine schon 1823 geschrieben hatte: “Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.

Unter diesem Motto findet heute auf dem Berliner Bebelplatz (dem früheren Opernplatz) in unmittelbarer Nähe des Mahnmals zur Erinnerung an die Bücherverbrennung eine Gedenkveranstaltung statt, bei der unter anderem aus den verbrannten Büchern gelesen wird.

Das Denkmal selbst ist eine unterirdische Bibliothek mit vollständig leeren Regalen für 20.000 Bände, die ganz in den Bebelplatz eingelassen ist. Nur durch eine etwa 1 qm große Glasplatte mitten auf dem Platz ist ein Blick in diese Bibliothek möglich.

Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung Künstler: Micha Ullmann; Architekt: Andreas Zerr

Die Leere, die dadurch zum Ausdruck kommt - der Verlust, die Ratlosigkeit und der Schmerz - kann am Berliner Bebelplatz ganz persönlich erfahren werden. Bei Regen wirkt die Glasplatte wie eine Pfütze aus lauter Tränen über soviel Leid und Unrecht. Der Künstler Micha Ullmann schrieb:  

“Manchmal geht es nicht nur um das, was es an einem Ort gibt, sondern vielmehr um das, was es nicht gibt und was wir nicht sofort sehen. Das Unten - das Versteckte - das Unsichtbare ist nicht weniger, als das Oben - das Sichtbare.”

Gleichzeitig spiegeln sich in der Glasplatte die umliegenden Gebäude: Universität, Oper, Kathedrale und Gericht, also Wissenschaft, Kunst, Religion und Staatsgewalt: ein Symbol, dass alle gesellschaftlichen Bereiche versagt haben.

Und schließlich spiegelt sich auch der Himmel, das Transzendente und lädt zur Meditation, zum Nach-Denken und zum Gedankenflug ein.

Mit Micha Ullmanns Worten: ” … gräbt man ein Loch, erweitert man den Himmel”.  

Ich möchte mit meinen Studenten - nicht nur im Studiengang Kulturmanagement - darüber sprechen.

Thema: FHBlog | Autor: Michael Zerr | Kommentare (0)

Nachlese Fundraisingkongress I

Dienstag, 6. Mai 2008 8:22

Nun ist es schon mehr als zwei Wochen her, doch immer noch bekomme ich Post von Teilnehmern des Fundraisingkongresses in Fulda. Dort hatte ich einen Workshop zum viralen Marketing und zwei Seminare zu einer konkreten Arbeit von vm-people für die Stand Up Initiative und zur Sozialen Netzwerkanalyse.

Natürlich habe ich mich auch selbst umgeschaut, schließlich gab es so interessante Themen, wie “Vom Kleinspender zum Millionär” oder “Große Spenden - große Hoffnungen” und da fällt einem doch gleich Arno Schmidt ein, der einmal schrieb:

“… «Darauf freue ich mich schon sehr : wenn einmal, irgendwann=einmal, ein Mäzen=oder=so auftauchen wird, der mir “um=meiner=selbst=willen” - es ist schwer; ich weiß wohl; ich selbst würd’s auch nicht tun - eine monatliche Rente von, nu, sagen wir, 500 Mark “auswirft” und ich dann - ach, es fallen einem gleich Ausdrücke wie “Lebensabend” ein, und “buntgeblümter Schlafrock”, “The echoing Green”, “Der Schnee tröpfelte emsig vom Dach”, “Die Nacht wird kalt, sagte der alte Rudolph, vom Wetterfähnlein kreischt es herunter, die Eichen fangen zu rauschen an, lege mehr Holz an den Herd, Alwin”, tcha, und jetzt hab’ ich natürlich den Faden verloren.”

Wie die Geschichte ausging ist ja bekannt. Ein junger angehender Literaturwissenschaftler, Erbe eines großen Vermögens, liest die Passage, fährt nach Bargfeld, sieht sich nach Arno Schmidt um, findet ihn nicht, will schon aufgeben, sieht auf einmal ein Pärchen, das so gar nicht in das verschlafene Dörfchen zu passen scheint, erkundigt sich und erfährt tatsächlich, dass es sich um Arno Schmidt handelt und stellt die alles entscheidende Frage:

“Darf ich ihr Mäzen sein?”

Nun ist es ja nicht so, dass nicht auch Hochschulen auf Mäzene angewiesen wären, - es müßte ja nicht gleich ein Großspender, wie Jan Philipp Reemtsma oder Klaus J. Jacobs sein ;-) nein, nein: man will ja schließlich nicht unbescheiden werden, aber das eine oder andere Stipendium von, nu, sagen wir 250,- Euro für eine Studierende oder einen Studierenden (beispielsweise im Auslandsjahr) wäre auch schon eine tolle Sache und “Lebensabend” oder “buntgeblümter Schlafrock” würde unseren Studis dazu ganz gewiss nicht einfallen, oder?

 

Thema: FHBlog | Autor: Michael Zerr | Kommentare (0)

Ärmelschoner oder Storytelling? Controlling für Kreative!

Mittwoch, 30. April 2008 22:30

Vor einigen Wochen war ich in Berlin und besuchte die ITB. Durch einen Link (Danke Frau Stuhlmann!) konnte ich die Zeit in der Bundeshauptstadt auch für ein Treffen mit Dr. Torsten Fremer nutzen. Der promovierte Historiker ist einer der kreativsten Köpfe in der europäischen Event-Szene! Mit erfolgreichen Firmen-Veranstaltungen hat er sich einen Namen gemacht.  Also genau der richtige Sparringspartner für … einen Gastvortrag in der Vorlesung “Controlling”?

Der Gedanke daran, ihn genau für diese Thematik zu verpflichten, kam mir mit Blick auf meine eigene Erfahrung: meine Fächerkombination an der Universität Stuttgart - Marketing und Controlling - war in der damaligen Studenten-Szene äußerst umstritten - “das widerspricht sich doch” hörte ich andauernd.

Herr Dr. Fremer stimmte meinem Vorschlag ohne Zögern zu. Ihm - wie mir - ist klar, dass Kreativität nicht durch Controlling limitiert, sondern eher initiiert wird! Unternehmenspolitische Zielvorgaben setzt der Steuermann (”Controller”) durch Events um; Effizienz,  Effektivität und generischer Erfolg von Veranstaltungen werden gerade durch Inszenierung und Dramaturgie beatmet. Ziele, Aufgabenstellungen, Herausforderungen schaffen den Rahmen für emotionale Begegnungen, Face-to-Face-Kommunikation, Live Communication.

Der “Storyteller” wird, ist er Profi, immer fragen, welches Resultat man von seiner Arbeit erwartet! Kein Pitch ohne quantifizierte Ergebnisabschätzungen, keine Kampagne ohne Kontakt- und Markenbindungsziele. “Nenne mir die gewünschte Recall-Rate - und ich sage dir, wieviele Raketen wir zünden müssen!”

Vor wenigen Stunden war der Rheinländer Fremer “in der Bütt”.  Das 6. Semester MKE hatte das Vergnügen einer Begegnung zweier Welten, die sich gegenseitig bedingen - Controlling und Kreativität. Der “Regisseur der Gefühle” fragte mich bei der Vorbesprechung nicht nur nach der vorhandenen Medientechnik im Hörsaal, sondern wollte wissen, was ich mir denn als Ziel seines Vortrags wünsche. “Praxiserfahrung” war meine Antwort. Und so geschah es. Der Begriff “Controlling” fiel selten, war aber in jedem zweiten Satz spürbar. Welche Szenarien erwartet der Auftraggeber? Was muss ich zur Vorbereitung aufwenden? Welche Alternativen zu einem Firmen-Event gibt es? Wie kann man, ist einmal die Entscheidung da, das Maximum erreichen?

Schnell und in gewisser Weise magisch waren wir bei “Effizienz” und “Effektivität”, “Zielgruppe” und “Kosten pro Teilnehmer”, “Budgetplanung” und “Handling Fee”, “Kick-back” und “Recall Rate”.

So wirklich auf Cent und Euro, das wissen wir jetzt, lässt sich der Wert eines Events nicht berechnen. Aber das ist nicht neu, nicht für uns im Marketing! Wir haben erkannt, dass eine geniale Event-Dramaturgie Überzeugung transportiert - auch hin zu den Einkäufern! Plötzlich sind sich Agentur und Auftraggeber einig: Die Million für den Händlerabend wird sich mehrfach bezahlt machen, daran glauben wir! Und Glaube versetzt bekanntlich Berge. Eine alte Controller-Weisheit!

Thema: FHBlog | Autor: Stefan Luppold | Kommentare (0)

Und da soll doch noch einmal einer sagen Alkohol mache doof!

Mittwoch, 30. April 2008 16:22

Folgender Kommentar kann als Resumé eines durchaus interessanten Abends betrachtet werden. 

Handlung:

Eine koreanische und eine deutsche Verlagsangestellte, eine deutsche Architekturbüro-Praktikantin, eine englisch-iranische Studentin, ein paraguayischer Student, ein schwedischer Reiseführer und ein kleiner „Merkurianer“ bei viel australischem Wein in einem Thai-Restaurant in Chinas Hauptstadt.

Zu Beginn der Erzählung möchte ich noch erwähnen, dass ich seit einiger Zeit häufiger nach der Situation in Tibet gefragt werde, als nach meinen eigenen Wohlbefinden. Aber die Prioritätensetzung meiner lieben Bekannten sei ihnen ja selbst überlassen…

Die Tibetfrage ist jedenfalls unter den hier lebenden „laowais“ äußerst unbeliebt. Warum? So mancher Expat kann sich ja als durchaus schreibfaul bezeichnen und da erscheint einem die Beantwortung solch einer „nichtigen“ Frage mehr als nur zwei Zeilen wert.

Wie man nun auch zu diesem Thema steht kann keiner von sich behaupten das Wissen für sich gepachtet zu haben.

Und so wird aus der Beantwortung dieser Frage folgender Exkurs in Form einer Lobrede an die „Diskussionskultur“.

 

Man möge es erschreckend finden, dass die politische Resignation der meisten Chinesen so groß zu sein scheint, dass sich selbst unter den jungen Studenten und somit der “Elite” von morgen kaum einer für Politik interessiert. Die Innenpolitik ist dessen größtes Opfer aber auch um außenpolitische Themen ist es nicht viel besser bestellt. Noch erschreckender ist jedoch, zu sehen wie sich dies von einem auf den anderen Tag ändern kann.

So hätte die chinesische Mitbewohnerin –natürlich nicht die politisch Interessierteste - ohne ihre ausländischen Mitbewohnern erst nach ca. einer Woche von den Geschehnissen in Tibet erfahren. Nun hingegen scheint sie jede freie Minute in Internetforen ihre Meinung kundzutun. Natürlich nichts Kritisches …
Dementsprechend stand die Teilnahme an einer Demonstration vergangene Woche außer Frage. Von hiesigen Studenten organisiert, versammelten sich tausende der „Elite“ von morgen um zu demonstrieren: Für ein geeintes China und gegen die hetzerischen ausländischen Medien. Und wenn wir schon dabei sind, Frankreich spielte dank des hitzköpfigen Sarkozys den Vorreiter und dient jetzt als die Inkarnation des bösen Westens schlechthin. Die Topmanager von Carrefour, L’Oréal etc. dürften sich freuen.

Wieso dies so erschreckend ist? Weil man selbst miterlebt wie einflussreich die Medien sind.

 Man kann es nur Wenigen verübeln, dass der Zugang zu alternativen Quellen hierzulande erschwert wird. Insbesondere sobald man nur des Hochchinesischen oder eines der chinesischen „Dialekte“ mächtig ist. Wohl gemerkt, dies trifft schon weniger auf die oben genannte Gruppe zu die oft des Englischen mächtig ist und der Zugriff auf entsprechende Seiten nicht gesperrt ist. Auch ist vielen die Möglichkeit des anonymen Surfens im Netz dank Webseiten wie z.B. www.anonymouse.org bekannt. Ob solche Möglichkeiten dem Schäuble gefallen?

Aber ein Blick auf die eigene Heimat ist da manchmal noch frustrierender!
Wie unabhängig bzw. objektiv sind denn unsere „demokratischen“ Medien? Wohl nicht viel mehr! Und genau hier liegt der Fuchs begraben.

Zwar mögen die meisten europäischen Medien nur einer geringen staatlichen Zensur unterstehen – hierbei Grüße an meinen Freund, den alten und leider wieder neuen Ministerpräsidenten Silvio – doch wie unabhängig bzw. objektiv können denn Journalisten sein die seit  ihrer Geburt den Werten und Moralen der Gesellschaft unterliegen? Wird nicht alles von unserem demokratischen Standpunkt aus betrachtet und somit unseren Idealen unterworfen?
Warum zum Beispiel muss jeder Erdenbürger der Meinung sein, dass es jedem Individuum gut gehen müsse anstatt auch sagen zu können dem Kollektiv muss es gut gehen (und somit Einige auf der Strecke bleiben). Ob dies meiner persönlichen Meinung entspricht oder nicht sei dahingestellt aber, dass diese Meinung besteht und, dass sie auch eine Logik hat kann nicht bestritten werden. Und somit ist sie auch legitim.

Nur verwundert es mich oft wie viele Europäer „unsere“ Medien für vollkommen und objektiv halten nur weil sie kaum staatlicher Zensur unterliegen. Wird man sich bewusst, dass dies nicht der Fall ist relativiert es oft die eigene Meinung über Standpunkte anderer.

 Auch ist diese ewig währende Demokratisierungserwartung an andere Staaten nervig. Wenn ein Staat bzw. dessen Bevölkerung nach Demokratie strebt, dann sollte dies doch von Innen kommen. Widerspricht es nicht dem demokratischen Gedanken wenn einem Land die Demokratie auferzwungen wird? Wer soll dies mittelfristig tragen und instand halten können wenn nicht die Bevölkerung selbst? Man kann von der Demokratie halten was man will, aber einen Weltanspruch hat sie nicht.

Die Marktwirtschaft scheint nicht an Demokratie gebunden zu sein und vice versa. „Markt- vs. Planwirtschaft“ ist vielleicht passé. Besser man gewöhnt sich aber jetzt daran, dass es vielleicht langfristig auch autoritäre Marktwirtschaften geben wird. In den letzten Dekaden haben sich diese, mit Blick auf China zum Beispiel, zumindest in ihrer Effizienz bewertet.

Lange Rede kurzer Sinn, unsere Medien sind voreingenommen, von den Chinesischen ganz zu schweigen, aber das Meinungsbild der Meisten bilden sie trotzdem oder gerade deshalb. Denn auch wenn ich als Deutscher französische oder amerikanische Medien nutze ist die Meinung, was China betrifft, doch meistens die gleiche.

Doch was ich glaube kritisieren zu dürfen ist wenn man darüber nicht diskutieren kann oder möchte. Ich verstehe, dass es hier in China einfach keine Streitkultur wie im Westen gibt. Wie denn auch? Von klein auf wurde den Meisten alles vorgegeben. In der Schule darf nichts hinterfragt werden (oder in den Worten einer Chinesisch-Lehrerin letzte Woche: „Ihr könnt schreiben worüber ihr wollt, es kommt nur auf die Art des Geschriebenen an. Außer Politik, das wird nicht bewertet!“), das Studium besteht nur aus Auswendiglernerei etc. Daher werfe ich dies den wenigsten vor auch wenn ich das kritisiere.

Aber gerade deshalb bin ich um eines froh was es im „alten“ Europa gibt und was ich vermisse überall wo es dies nicht gibt: unsere „Diskussion-, Streit- oder Wie-Auch-Immer-Man-Es-Nennen-Mag-Kultur“ (Zum Leid mancher Professoren :) ). Denn egal welcher Meinung man ist, es zwingt einen dies auch zu begründen. Und da liegt er wieder der Fuchs - oder war es ein Hase? – kann man auch von Anderen überzeugt werden und erkennt, dass man nicht immer im Recht ist. Und vielleicht ist dies ein Teil von dem was man „Interkulturelle Toleranz“ nennen könnte und bei der diesjährigen Olympiade wahrhaftig erloschen ist.

Und hierauf unser abschließendes „干杯!“ (Gānbēi / Prost!).

 

PS: Webseite die es Wert ist zu propagieren www.ted.com.

Thema: Aktuell | Autor: Jean-Philippe Schwab | Kommentare (1)

Studis vorgestellt: Florian Bernard

Mittwoch, 30. April 2008 6:47

Als ich 2006 an die Hochschule kam - hatte er schon ein Jahr Vorsprung! Florian Bernard, Gründergeneration, erster Jahrgang an der Merkur Internationale FH und einer von einem runden Dutzend Messe-, Kongress- und Event-Studenten der Geburts-Stunde.

So wird er in wenigen Monaten auch als einer der ersten Absolventen seine Bachelor-Urkunde überreicht bekommen…wenngleich er “auf den letzten Drücker” mit dem Studium begann: Sein Vorstellungsgespräch fand in der ersten Vorlesungswoche statt. Just in time - eine typische Eigenschaft von Veranstaltungsmanagern!

Florian stammt aus Karlsruhe und ist - gerade 27 Jahre alt geworden - über einen Umweg zu uns gekommen: nach Abi und Bundeswehr begann er mit einem Architekturstudium. Es dauerte insgesamt fünf Semester bis klar war, dass das nicht wirklich die berufliche Zukunft sein wird. Im richtigen Moment kam da das Angebot der gerade gegründeten Merkur Internationale FH!

Ein gesundheitlicher Umstand half übrigens auch bei der Bildungs-Entscheidung: der Weg ins Profi-Fußball-Lager wurde durch den frühzeitigen Verlust der Kreuzbänder (mit 22 war das Thema “durch”) verhindert; glücklicherweise reichten die verbleibenden körperlichen Funktionen nicht nur zum MKE-Studium, sondern auch für ein Engagement im Merkur-Fußball-Team!

Florian ist Drummer, ist begeisteter Schlagzeuger und nutzt sein musikalisches Talent auch dafür, um als Teilzeit-Musiklehrer sein Studium zu finanzieren. Vorlesungspausen nutzt er seit einiger Zeit nicht mehr fürs Rauchen (schöner Trend bei unseren MKE’lern - weg vom Glimmstengel…), sonder telefoniert sich seine nächsten Unterrichts-Einsätze zusammen, managt vom Campus aus seine Jobs.

Natürlich ist man als Schlagzeuger auch Teamplayer. Spürbar in Vorlesungen, bei Projekten unserer Hochschule oder auch “unterwegs” bei Exkursionen. Florian sitzt (wo bleibt jetzt eigentlich dafür noch Zeit, schließlich gibt es da auch noch eine Freundin!?) auch für zwei Bands hinter der Schießbude:

Die Tommy H. Price Band war einer der Hauptbühnen-Acts des letztjährigen “Das Fest” - dort einen seiner Studis “live on stage” zu sehen ist ein grandioses Erlebnis! Eindrücke sind unter www.tommyhprice.de abrufbar.

Mit der Band “Feverdog” wird es - ich gebe hier nur Szenen-Geflüster wider - beim diesjährigen “Das Fest” weitergehen; also: Ankündigungen verfolgen und Termin unter www.feverdog.de checken!

Weitere Infos - auch für diejenigen, die eine Unterrichtseinheit buchen wollen - hat Florian unter www.florianbernard.de publiziert. Nicht nachzulesen dort ist, dass Florian zunächst mit starker “Event”-Orientierung an unsere Hochschule kam, im Lauf der Zeit aber immer mehr in Richtung “Messe” tendierte. Diese Form der “Live Communication” hat es ihm angetan, hier findet er auch die Motivation für seine Bachelor-Thesis: “Mobile Marketing für Messen”. Bald darf ich in seiner Arbeit nachlesen, ob wir zukünftig nur noch mit dem Blick auf das Mobiltelefon über Messen gehen und die Stände und Aussteller nicht mehr bemerken werden…

Trotz der Orientierung “hin zur Messe” war Florian im Studium breit aufgestellt: sein erstes und zweites Praktikum absolvierte er bei der lokal ansässigen aber bundesweit tätigen Künstleragentur “Medusa”, in seinen Unternehmsprojekten beschäftige er sich mit “Cotton Club” und “Erlebnisrausch”. Die Konzeption der studentischen Event-Agentur “Erlebnisrausch” (www.erlebnisrausch.de) wurde  übrigens vor wenigen Wochen mit dem Award der Fachzeitschrift “EVENTS” (www.events-magazine.de) ausgezeichnet - ausgezeichnet! In einer Auflage von rund 25.000 Exemplaren ging die Botschaft an die Veranstaltungsbranche, dass vier Studenten der Merkur Internationale Fachhochschule ein erfolgreiches Projekt abgeliefert hatten und dafür vom Herausgeber der “EVENTS” mit dem “Student Consultant Award” belohnt wurden!

Florian war (und ist!) einer der “Future Leaders”; Branchenverbände, das Deutsche Kongressbüro (www.gcb.de) und die Leitmesse IMEX (www.imex-frankfurt.de) hatten Studenten aus Europa zu einem zweitägigen Forum eingeladen - übrigens waren wir auch in diesem Jahr wieder mit Merkur-Studierenden vertreten!

Schneller als wir alle dachten kommt die Zeit für einen Abschied von der Hochschule - eben noch im dritten Semester, heute bei den Bachelor-Kolloquien mit Konzepten für seine Abschluss-Arbeit…sicher wird das kein endgültiger Abschied, Florian wird uns, “Erlebnisrausch” und mir als einem seiner fachlichen Sparringspartner erhalten bleiben. Und hoffentlich auch Claus-Dieter Heuser - für eine weitere Jam Session (ich bin dabei!).

Thema: FHBlog | Autor: Stefan Luppold | Kommentare (0)

Ergebnisse vom Girlsday

Dienstag, 29. April 2008 18:16

Hugo-Boss Parfüm

Wie verprochen gibt es hier einige Ergebnisse des Girlsday, der letzten Donnerstag an unserer Merkur FH statt gefunden hat. Wir waren echt begeistert, was die Mädels in so kurzer Zeit zustande gebracht haben.

Thema: FHBlog | Autor: Caroline Ritter | Kommentare (0)